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Wem gehört Belo Monte?

Die Beteiligung ausländischen Kapitals am Staudamm Belo Monte. Studie von GegenStrömung / CounterCurrent.
Wem gehört Belo Monte?

Photo Courtesy: Amazon Watch / Atossa Soltani / SpectralQ

[study also available in english at www.gegenstroemung.org]

Der Staudamm Belo Monte und die Beteiligung ausländischen Kapitals an Belo Monte

Der Staudamm Belo Monte wird gemeinhin als rein brasilianisches Projekt betrachtet: Die Finanzierung, die Baufirmen und das Baukonsortium sind brasilianisch. Folgende Analyse aber zeigt, dass ausländische – darunter auch europäische Firmen – einen Anteil in Höhe von rund 10% haben. In Anbetracht der massiven sozialen und Umweltauswirkungen des Damms wird der Mangel effektiven Handelns der beteiligten Firmen, sich nicht an Projekten zu beteiligen, die Umweltverstöße und Menschenrechtsverletzungen provozieren, deutlich. Auch wenn die jeweilige Beteiligung vergleichsweise gering erscheint, so weist dies dennoch deutlich darauf hin, dass es dringend umfassender Regularien für Staudämme und eines effektiven Monitorings von Firmen bedarf.

 

Der Staudamm Belo Monte und die Beteiligung ausländischen Kapitals am Staudamm

Der Staudamm Belo Monte im brasilianischen Bundesstaat Pará wird der drittgrößte Staudamm der Welt. Auf die Partizipation transnationaler (und hier nicht selten: europäischer) Konzerne am Staudamm Belo Monte wurde von Betroffenen und NGOs wiederholt hingewiesen.1 Dabei wurde bei den Protesten immer auch darauf hingewiesen, dass es endlich eines regulatorischen Rahmen für das Agieren transnationaler Konzerne im Ausland bedürfe. Denn für die Menschenrechts- und Umweltgruppen ist klar: es muss hier in Europa endlich einen rechtlich verbindlichen Rahmen für das Agieren – und dessen Monitoring, Kontrolle und Haftung– europäischer Konzerne im Ausland geschaffen werden.2 Die an Belo Monte beteiligten Unternehmen verstoßen mit ihrer Beteiligung an Projekten wie Belo Monte gegen ihre menschenrechtliche Verantwortung wie sie z. B. in den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte festgehalten sind3.

Aus Europa waren es vor allem die folgenden Konzerne, die sich wegen ihrer Beteiligung am dem umstrittenen Staudamm Belo Monte, Kritik ausgesetzt sahen: es waren die österreichische Andritz4 und aus Deutschland Daimler5, Siemens6, Voith7, Allianz8 und Münchener Rück9, die auf den Aktionärsversammlungen oder am Firmensitz von Menschenrechts- und Umweltgruppen wegen ihrer Beteiligung an Belo Monte kritisiert wurden.10

Der Staudamm Belo Monte wird gemeinhin als rein brasilianisches Projekt betrachtet: Die Finanzierung erfolgt größtenteils über die staatseigene Brasilianische Entwicklungsbank BNDES und die Baufirmen und das Baukonsortium sind ebenfalls brasilianisch. Folgende Analyse aber zeigt, dass ausländische – darunter auch europäische Firmen – einen Anteil am Staudamm Belo Monte in Höhe von rund 10% haben.

So haben wir uns in der folgenden Analyse auf die Spur der Konzerne gesetzt, die hinter den an Belo Monte direkt beteiligten Unternehmen stecken.

Wer hat welchen Anteil an welchen Konzernen und wie errechnet sich daraus eine indirekte Miteigentümerschaft in Prozent und Megawatt an dem drittgrößten Staudamm der Welt, Belo Monte? Von besonderem Interesse sind hierbei für uns, welchen Anteil haben ausländische Konzerne an Belo Monte.

 

Follow the Money!

Die folgenden Aufgliederungen11 der verschachtelten Eigentümerverhältnisse der am Konsortium Norte Energia beteiligten Konzerne basieren auf den laut geltenden Kapitalmarktregeln öffentlich zugänglichen Informationen und unterscheiden dabei bewusst nicht zwischen Vorzugs- und Namensaktien, preferred oder common shares, ações preferenciais oder ações ordinárias12. Es gibt zwar Unterschiede bei den jeweiligen Stimmrechten und Möglichkeiten der (in-)direkten Einflußnahme auf das Konzerngebaren, aber dies berührt letztlich nicht die Eigentumsverhältnisse und die daraus entwachsenden Dividenden – und mithin die Profitflüsse. – „FOLLOW THE MONEY!“ ist also hier unsere Devise.

 

Wem gehört Belo Monte?

Der künftige Staudamm Belo Monte gehört verschiedenen Anteilseignern, die sich in einem Verbund unter dem Namen Norte Energia S.A. zusammengeschlossen haben und bei der Versteigerung der Bau- und Betriebsrechte am 20. April 2010 den Zuschlag erhielten. Nachdem drei weitere Anteilseigner des Konsortiums, Queiroz Galvão, J. Malucelli (zum Teil) und Gaia ausstiegen, waren diese durch neue Beteiligungen sowie durch Anteilsverschiebungen aufgefangen worden.

Derzeit bilden folgende Unternehmen Norte Energia S.A.:

Norte Energia S.A.
100% Belo Monte
15.00% Eletrobras - Centrais Elétricas Brasileiras S/A
15.00% Chesf - Companhia Hidro Elétrica do São Francisco (Eletrobras-Tochter)
19.98% Eletronorte - Centrais Elétricas do Norte do Brasil S/A (Eletrobras-Tochter)
10.00% Petros - Fundação Petrobras de Seguridade Social
10.00% Funcef - Fundação dos Economiários Federais
10.00% Belo Monte Participações S.A. (Neoenergia S.A.)
9.77% Amazônia - Amazônia Energia S.A. (Cemig und Light)
9.00% Vale – VALEPAR
1.00% Sinobras - SIDERÚRGICA NORTE BRASIL S.A.
0.25% J.Malucelli Energia
100.00% Total

Wer steckt hinter dem Konsortium Norte Energia S.A.?

49,98% der Anteile an Norte Energia gehören den drei mehrheitlich staatlichen Stromversorgern der Gruppe Eletrobras: Eletrobras, Chesf und Eletronorte. Diese drei großen Stromversorger gehören jeweils zu 44,63% dem brasilianischen Staat, zu 11,88% der ebenfalls staatlichen BNDES Participações S/A sowie zu 8,65% der US-amerikanischen Bank JPMorgan Chase Bank (über deren Beteiligung am Mutterkonzern Eletrobras13.).

Eletrobras, Chesf, Eletronorte:
Eletrobras - Centrais Elétricas Brasileiras S/A
(49,98% Belo Monte)
44.63% Brazilian State
11.88% BNDES – Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social
8.65% JP Morgan Chase
2.03% Fonds Skagen K T Verdipapirfond
32.81% free float
100.00% Total

Petros und Funcef (jeweils 10,00% an Belo Monte) sind große brasilianische Pensionsfonds.

Das Konstrukt Belo Monte Participações S.A., denen ebenfalls 10% an Belo Monte gehört, gehört Neoenergia S/A. An Neoenergia S/A. Ist die spanische Iberdrola Energia S/A mit 39,00%, beteiligt, der Pensionsfonds der Angestellten der Banco do Brasil, Previ, mit 22,24% sowie zwei weitere Beteiligungen der Banco do Brasil, die BB Banco de Investimento S.A. und der Fundo Mútuo de Inv. em Ações - BB Carteira Livre I, mit 11,99% beziehungsweise mit 26,77%.

Belo Monte Participações S.A.:
Neoenergia S.A. (10% Belo Monte)
39.00% Iberdrola Energia S/A
22.24% Previ – Caixa de Previdência dos Funcionários do Banco do Brasil
11.99% BB Banco de Investimento S.A
26.77% Fundo Mútuo de Inv. em Ações - BB Carteira Livre I
100.00% Total

Das Beteiligungskonstrukt Amazônia Energia gehört zu den halbstaatlichen Stromversorgern Cemig und Light, die im Oktober 2011 9,77% Anteile des Norte Energia-Konsortiums übernahmen, nachdem Queiroz Galvão (2,51%), OAS (2,51%), Contern (1,25%), Cetenco (1,25%), Galvão Engenharia (1,25%) und J. Malucelli (1%, verringerte die Beteiligung auf 0,25%) ihre Anteile abgaben.14 Cemig gehört zu 22,27% dem Bundesstaat Minas Gerais, zu 14,41% dem Energieableger der Baufirma Andrade Gutierrez, AGC Energia SA, sowie neben weiteren Anteilseigner auch zu 5,29% einem der weltgrößten Vermögensverwaltern, der US-amerikanischen BlackRock Inc.

AMAZÔNIA ENERGIA S.A.:
(9,77% Belo Monte)
74,05% CEMIG Geração e Transmissão S/A 25,50 % Light Energia S/A
22.27% Estado de Minas Gerais 26.06% Companhia Energética de Minas Gerais S/A)
14.41% AGC Energia SA 13.46% BNDES Participações S/A
5.29% Blackrock Inc. 13.03% RME Rio Minas Energia Participações
58.03% free float 13.03% Luce Empreendimentos e Participações S.A.


34.42% free float
100.00% Total 100.00% Total

Die 9% an Belo Monte, die Vale Energia S.A. übernommen hatte, nachdem einige der vormals am Konsortium Norte Energia beteiligten Konzerne wegen des unternehmerischen Risikos ausgestiegen waren, gliedern sich bei den Besitzverhältnissen wiederum auf in die Vale-Tochter Valepar (33,7%), BNDES Participações S/A (5,3%) sowie 61% Streubesitz (aufgegliedert in 20% Inlands-, 41% Auslandsstreubesitz).

Vale Energia
(9% Belo Monte)
33.70% Valepar
5.30% BNDES Participações S/A
20.00% free float (Braz.)
41.00% free float (intern.)
100.00% Total

Der Valepar-Anteil in Höhe von 33,7% der 9% an Belo Monte gliedert sich auf in Litel Participações S.A. (49%), Bradespar S.A. (21,2%), der staatlichen Entwicklungsbank BNDES (mittels BNDES Participações S/A) mit 11,5% sowie der japanische Konzern Mitsui mit einem 18,20% Anteil.

Valepar
(33,7% of 9% Belo Monte)
49.00% Litel Participações S.A
21.20% Bradespar S.A
18.20% Mitsui & CO. LTD
11.50% BNDES Participações S/A
0.10% free float
100.00% Total

Die Beteiligung ausländischen Kapitals an Belo Monte

Die direkte Beteiligung ausländischer transnationaler Konzerne, Fonds und Vermögensverwaltern an Firmen des Eigentümer-Konsortium von Belo Monte beläuft sich unseren Berechnungen zufolge auf einen Anteil von 10,12% an dem Staudamm Belo Monte.

Die US-amerikanische Bank JP Morgan Chase hält über ihre jeweils 8,65%-Beteiligungen an Eletrobras (und somit an den drei Eletrobras-Töchtern, die zusammen 49,98% an Norte Energia S.A. halten) 4,31% am Staudamm Belo Monte, umgerechnet ergibt dies einen Anteil an potentieller Nominalkapazität des Staudamms Belo Monte von 483,806 Megawatt.

Der norwegische Fonds Skagen K T Verdipapirfond hält laut den Financial Statements der Eletrobras15 27,493,563 Aktien an dem brasilianischen Energiekonzern. Dies entspricht 2,03% der Anteile an Eletrobras. Umgerechnet auf den Staudamm Belo Monte ergibt sich ein Anteil des norwegischen Fonds16 in Höhe von 1,011% oder 113,542 Megawatt.

Die spanische Iberdola Energia S/A hält laut Zahlen der ANEEL über ihren 39,00%-Anteil an Neoenergia S/A rechnerisch einen Anteil an Belo Monte von 3,86% oder umgerechnet in eine Nominalkapazität in Höhe von 433,710 Megawatt Anteil an den 11,2331 Gigawatt des Staudamms Belo Monte.

Das japanische Unternehmenskonglomerat Mitsui hält über ihren 18,20%-Anteil an Valepar, der der Großteile des Bergbaukonzerns Vale gehört, einen rechnerischen Direktanteil von 0,55% an Belo Monte und somit dem Äquivalent zu 62,007 Megawatt Nominalkapazität.

Die US-amerikanische Vermögensverwaltung BlackRock Inc17 hält über ihren 5,29%-Anteil an CEMIG Geração e Transmissão S/A laut Zahlen der Regulierungsbehörde ANEEL rechnerisch einen Anteil an Belo Monte in Höhe von 0,39% oder von umgerechnet 43,252 Megawatt Nominalleistung. Da sich der Anteil der BlackRock Inc. auf die Mutterfirma, die CEMIG, bezieht, erhöht sich der rechnerisch Anteil der BlackRock Inc. am Staudamm Belo Monte: Denn CEMIG gehört nicht nur die CEMIG Geração e Transmissão S/A, sondern BlackRock Inc. ist auch an Light Energia S/A beteiligt. Rechnerisch ergebe sich so für die US-amerikanische BlackRock Inc. ein Anteil an Belo Monte in Höhe von 0,393% oder von umgerechnet 44,146 Megawatt Nominalleistung.

Diese Anteile zusammen – JP Morgan Chase mit 4,31%, Skagen K T Verdipapirfond mit 1,011%, Iberdrola mit 3,86%, Mitsui mit 0,55% und BlackRock Inc. mit 0,393% – ergeben einen Anteil ausländischen Kapitals an Belo Monte in Höhe von 10,124%.

Ausländische Anteileigner an Belo Monte Firmen
% Belo Monte name MW Belo Monte
4.3100% JP Morgan Chase 483.81
3.8600% Iberdrola Energia S/A 433.71
1.0110% Skagen K T Verdipapirfond 113.54
0.5500% Mitsui & CO. LTD 62.01
0.3930% Blackrock Inc. 44.15
10.1240% TOTAL 1137.21

 

Following the Money ...

Berücksichtigt man die weiteren Beteiligungen und verschachtelten Anteilseignerschaften ausländischer Konzerne und Fonds untereinander, so erhöht sich der prozentuale Anteil der einzelnen Firmen weiter, ohne dabei aber den Gesamtanteil ausländischen Kapitals in Höhe von 10,124% anzuheben.

Denn die BlackRock Inc. verfügt auch über einen 3,212% Anteil an Iberdrola. So erhöht sich BlackRocks Beteiligung am Staudamm von Belo Monte um weitere 13,93 Megawatt zusammen auf 58,07 Megawatt oder einen Anteil von 0,5169%.18 BlackRock Inc. ist aber ebenfalls an JP Morgan Chase mit 2,82% beteiligt19. Dadurch entfallen weitere 13,64 Megawatt Anteil an Belo Monte auf BlackRock Inc. und erhöhen damit die BlackRock-Beteiligung an Belo Monte auf 71,71 Megawatt oder einen rechnerischen Gesamtanteil von BlackRock Inc. an Belo Monte in Höhe von 0,6384%.20 Werden die zum Stichtag 30. April 2013 gehaltenen JP Morgan-Anteile des Vermögenverwaltungsfonds BlackRock Equity Dividend Fund mit 17.600.300 Aktien (0.47% an JP Morgan) im damaligen Gegenwert von 862.590.703 US-Dollar miteinberechnet (auch wenn es dabei um Fondsanteile im Auftrag Dritter geht), so erhöht sich der BlackRock Inc.-Anteil an Belo Monte um weitere 2,37 Megawatt oder um 0,02% auf 0,6404% oder 74,08 Megawatt Anteil an der Nominalkapazität von Belo Monte.

Über die jeweilige Beteiligung folgender Konzerne und Institutionen an Iberdrola21 haben auch diese einen jeweiligen Anteil22 an Belo Monte: Qatar Investment Authority mit 0,3234%, dies entspricht 36,33 Megawatt, der Baukonzern Actividades de Construcción y Servicios S.A. (ACS), Spanien, mit 0,2215% oder 24,89 Megawatt, die Banco Financiero y de Ahorros S.A., Spanien, mit 0,1981% oder 22,26 Megawatt, die Kutxabank S.A., Spanien, mit 0,1945% oder 21,86 Megawatt sowie die Société Générale S.A., Frankreich, mit 0,1224% oder 13,75 Megawatt Anteil an der Nominalkapazität von Belo Monte.

Folgende Unternehmen23 sind laut den geltenden Kapitalmarktregeln identifizierbar an JP Morgan Chase und somit auch rechnerisch am Staudamm Belo Monte beteiligt: Für die US-amerikanische Vanguard Group Inc. ergibt sich ein rechnerischer Anteil an Belo Monte in Höhe von 0,2017% oder 22,64 Megawatt, für die US-amerikanische State Street Corporation ergibt sich ein rechnerischer Anteil an Belo Monte in Höhe von 0,1892% oder 21,24 Megawatt, für die Wellington Management Company LLP, USA, ergibt sich ein Anteil von 0,1151% oder 12,92 Megawatt, für FMR LLC, USA, ergibt sich ein Anteil von 0,1030% oder 11,56 Megawatt, für Price (T.Rowe) Associates Inc, USA, ergibt sich ein Anteil von 0,0927% oder 10,40 Megawatt, für Northern Trust Corporation, USA, ergibt sich ein Anteil von 0,0638% oder 7,16 Megawatt, für Capital World Investors (Capital Group), USA, ergibt sich ein Anteil von 0,0612% oder 6,87 Megawatt und für Massachusetts Financial Services Co., USA, ergibt sich ein Anteil von 0,0578% oder 6,48 Megawatt an Belo Monte.

 

...und im Dickicht der Fonds und Vermögensverwaltungen

Vielen oben genannten Konzerne, die über Beteiligungen anteilige Netzwerkkontrolle auf Firmen ausüben, die ihrerseits am Staudamm Belo Monte beteiligt sind, gehören ihrerseits anteilig auch anderen Konzernen oder deren Aktien werden von Fonds und Vermögensverwaltungen gehalten. Diese Fonds investieren das Kapital ihrer Kunden und verwalten es demnach treuhänderisch, aber unter eigener Verantwortung. Eine umfassende und abschließende Analyse der jeweiligen weiteren Anteilseignerschaften durch Dritte ist hier nicht beabsichtigt und angesichts der Fülle an Daten in diesem Rahmen nicht darstellbar. Für den europäischen Raum ist es aber interessant, drei Beispiele hervorzuheben: das sind das Norges Bank Investment Management des norwegischen Staatsfonds und die Allianz-Töchter Allianz Asset Management AG und Allianz Global Investors of America.

Das Norges Bank Investment Management24 hält 29.960.305 Aktien-Anteile an JP Morgan Chase, 10.715.391 Aktien an BlackRock Inc., 1.235.215 Aktien an der Northern Trust Corporation, 4.239.270 an State Street Corporation, 1.900.994 an T. Rowe Price sowie 1.088.333 Aktien an Vale25. Das Norges Bank Investment Managementauf kommt demnach rechnerisch auf rund 0,03% Anteil am Staudamm Belo Monte oder 3,36 Megawatt-Anteil an der Nominalkapazität des Staudamms Belo Monte.

Die deutsche Allianz Asset Management AG26 hält 18,83 Millionen Aktien im Werte von 893,53 Millionen US-Dollar an JP Morgan sowie weitere 2.827.719 Anteile an JP Morgan &Co laut den SEC-Filings vom 31. März 201327. Zusammen sind dies 21.657.719 Aktien, dies entspricht einem Anteil an JP Morgan Chase in Höhe von 0,5729%. Zudem hält die Allianz Asset Management AG laut SEC-Filings 1.641.712 und 11.735.951 Aktien an Vale sowie 2.613.364 Vale.P-Aktien. Zusammen sind das 15.991.027 Aktien an Vale. Die Allianz Asset Management AG hält demnach 0,298% an Vale. Die Allianz Asset Management AG hält zudem 692.700 und 996.215 Aktien an der Companhia Energetica Minas Gerais (CEMIG), zusammen 1.688.915 Aktien. Des Weiteren hält die Vermögensverwaltung der Allianz 9.944.112 und noch ein Paket von 1.995.239 Aktien an der brasilianischen Bank Bradesco, die ihrerseits über ihre Investmentbeteiligung Bradespar 17,4% an Vale (ihrerseits 9% an Belo Monte) hält. Des Weiteren ist die Allianz Asset Management mit 397.742 Aktien beteiligt an BlackRock Inc. und sie ist mit 1.842.856 Aktien an den rechnerisch ebenfalls an Belo Monte beteiligten Northern Trust Corporation, mit 23.200 Aktien an der State Street Corporation und 18.656 Aktien an T.Rowe Price beteiligt. Die Allianz Asset Management AG-Beteiligungen auf den Staudamm Belo Monte umgerechnet ergeben einen rechnerischen Anteil in Höhe von rund 0,05% oder 5,61 Megawatt.

Doch die Allianz-Beteiligungen an Konzernen, die indirekt am Staudamm Belo Monte beteiligt sind, erschöpfen sich nicht auf die Vermögensverwaltung der Allianz Asset Management AG, sondern erstrecken sich auch auf die US-amerikanische Tochter Allianz Global Investors of America sowie auf Pimco28. Die Allianz Global Investors of America29 hält im ersten Paket 14.261.237 und im zweiten Paket 482.167 Aktien an JP Morgan Chase &Co, ein Paket von 2.004.096 und eines von 364.639 an Vale-Aktien, 919.250 Aktien an der Bradesco-Bank, ein Paket mit 263.800 Aktien und eines mit 46.266 Aktien an der State Street Corporation sowie 206.700 Aktien an der Companhia Energetica Minas Gerais (CEMIG), so dass die Allianz Global Investors of America auf rund 0,03% Anteil am Staudamm Belo Monte oder weitere 3,36 Megawatt-Anteil am Staudamm Belo Monte kommt.

Transnationale Anteilseigner an Firmen, die in Belo Monte Firmen investiert sind
% Belo Monte Name MW of Belo Monte
0.640% Blackrock Inc. 74.08
0.323% Qatar Investment Authority 36.33
0.221% Actividades de Construcción y Servicios S.A. (ACS) 24.89
0.202% Vanguard Group Inc. 22.64
0.198% Banco Financiero y de Ahorros S.A. 22.26
0.195% Kutxabank, S.A. 21.86
0.189% State Street Corporation 21.24
0.122% Société Générale S.A. 13.75
0.115% Wellington Management Company LLP 12.92
0.103% FMR LLC 11.56
0.093% Price (T.Rowe) Associates Inc 10.40
0.064% Northern Trust Corporation 7.16
0.061% Capital World Investors (Capital Group) 6.87
0.058% Massachusetts Financial Services Co. 6.48
0.050% Allianz Asset Management AG 5.61
0.030% Allianz Global Investors of America 3.36
0.030% Norges Bank Investment Management 3.36

 

Zusammenfassung: warum ist es bedeutsam, die ausländischen (direkt oder indirekt beteiligten) Anteileigner am Staudamm Belo Monte zu nennen?

10.124% ausländischen Kapitals mag wenig erscheinen. Aber, wer Profit aus solch einem zerstörerischen Projekt schlägt, muss dafür auch verantwortlich gemacht werden – selbst wenn argumentiert werden könnte, eine solche geringe Anteilseignerschaft schliesse direkte Kontroll- und Einflussnahmemöglichkeiten auf das Projekt aus. Hinzu kommt, dass diese transnational operierenden Konzerne in anderen massiven Infrastruktur- und Energieprojekten involviert sind, nicht nur in Brasilien, sondern weltweit. Und, offenkundig, während diese Konzerne einerseits Profite mit diesen Projekten erzielen, so scheren sie sich weniger über effektive Konzernpolitiken, die sicherstellen würden, dass sie nicht an solchen Projekten teilhaben.

Deshalb müssen zivilgesellschaftliche Organisationen und soziale Bewegungen diese Konzerne unter Druck setzen.

Die Anteilseigner sollten ihrerseits ihre Verbindungen zu den Konzerne nutzen, um auf Konsortien wie Norte Energia Druck auszuüben, Gesetze und Verfassung in Brasilien ebenso zu achten wie die Menschenrechte der vor Ort betroffenen Bevölkerung respektiert, geschützt und gewährleistet wird.

Des Weiteren müssen diese Konzerne Politiken entwickeln, die ihre Investment-Portfolios in Einklang mit Umweltstandards und Menschenrechte bringen. Wo sie nicht genug Einfluß ausüben könnten, Konzerne von der Beteiligung an die Menschenrechte verletzenden oder die Umwelt zerstörenden Projekten abzuhalten, müssen sie sich zurückziehen. Regierungen sollten angemessene Sorgfaltskriterien entwickeln, die auch eine Verntwortung für die Anteilseigner berücksichtigt.

Staudämme, besonders Großstaudämme, stellen einen massiven Eingriff in Ökosystem und für die Rechte der betroffenen Menschen dar. Die Weltstaudammkommission (WCD) hat Kriterien entwickelt, die sowohl von der Staudammindustrie und den betroffenen Menschen verabschiedet wurden. Die Befolgung dieser Kriterien ist die notwendige Bedingung für alle kommenden – direkten oder indirekten – Beteiligungen an Staudammprojekten.

// Christian Russau (GegenStrömung/CounterCurrent), Berlin, August 2013

Endnoten

1Siehe http://www.internationalrivers.org/campaigns/belo-monte-dam

2http://www.corporatejustice.org/?lang=en

3„Guiding Principles on Business and Human Rights: Implementing the United Nations 'Protect, Respect and Remedy' Framework“, siehe http://www.business-humanrights.org/SpecialRepPortal/Home/Protect-Respect-Remedy-Framework/GuidingPrinciples

4Siehe http://plattformbelomonte.blogspot.de/2012/03/kritik-andritz-ag-wegen-beteiligung.html

5Siehe http://www.gegenstroemung.org/drupal/de/node/114

6Siehe http://blogs.taz.de/latinorama/2013/02/03/aktionarsversammlungen-2-siemens-und-belo-monte/

7Siehe http://amerika21.de/nachrichten/2012/06/52811/proteste-belo-monte-voith

8http://blogs.taz.de/latinorama/2013/05/09/aktionarsversammlungen-4-allianz-wegen-staudamm-belo-monte-in-der-kritik/

9http://blogs.taz.de/latinorama/2013/04/25/aktionarsversammlungen-3-proteste-gegen-die-munchener-ruck-und-deren-beteiligung-am-belo-monte-staudamm/

10Siehe hierzu das Kapitel „Die Zulieferer und Versicherer“.

11Glattfelder JB, Battiston S (2009) „Backbone of complex networks of corporations: The flow of control“ unterscheiden zwischen direkter Kontrolle und Netzwerkkontrolle, i.e. über weitere Beteiligungen und deren Verästelungen (siehe http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0025995#s5).

12Das brasilianische Instituto Mais Democracia stützt sich in seiner Analyse "Wer sind die Eigentümer Brasiliens" ("Quem são os proprietários do Brasil?") bewußt auf die ações ordinárias, da diese den Eigentümern Stimmrecht an den Beteiligungen garantieren und mithin Kontrollmacht und Einflussnahme. Siehe hierzu http://www.proprietariosdobrasil.org.br/index.php/en/metodologia

13Siehe http://www.econoinfo.com.br/governanca/estrutura-acionaria?ce=ELET und dort das rechnerische Anteilsverhältnis J.P.Morgan Chases an Eletrobras durch die Aufteilung der Stamm- und Vorzugsaktien (Ações Ordinárias: 76.248.894 (7,01%), Ações Preferenciais: 37.460.162 (14,10%)).

14Siehe http://www1.folha.uol.com.br/mercado/996914-cemig-e-light-compram-participacao-em-belo-monte.shtml

15Siehe http://www.eletrobras.com/elb/data/Pages/LUMIS9B0F75F9PTBRIE.htm#Relat%C3%B3rio%20Anual%20e%20de%20Sustentabilidade%20-%202012

16http://ipaper.skagenfondene.no/Skagenfondene/SKAGENFundsMR22013English/?epslanguage=de-CH

17BlackRock Inc. verwaltet zum Stichtag 30. Juni 2013 Vermögenswerte in Höhe von 3,56 Billionen US-Dollar (siehe http://phx.corporate-ir.net/External.File?item=UGFyZW50SUQ9MTkzNjU3fENoaWxkSUQ9LTF8VHlwZT0z&t=1). Dabei handelt es sich zum weitaus größten Teil um treuhänderisch im Auftrag Dritter verwaltetes und angelegtes Kapital.

18Durch die folgenden Berechnungen über den rechnerischen Anteil von BlackRock Inc. am Staudamm Belo Monte erhöht sich gleichwohl der Gesamtanteil ausländischen Kapitals nicht an Belo Monte, sofern es um Beteiligungen anderer ausländischer Beteiligungen geht.

20Die weiteren Beteiligungen der BlackRock Inc. an beispielsweise der State Street Corporation, der Nothern Trust Corporation oder der T. Rome price Associates Inc, die jeweils auch indirekte Beteiligungsformen am Staudamm Belo Monte (s.u.) aufweisen, wurden hier nicht extra mit einberechnet. Siehe http://stockzoa.com/search/?q=BlackRock

21Der Iberdrola-Anteil von BlackRock Inc. wurde bereits weiter oben dargelegt.

22Die erwähnten Anteile beschränken sich hier auf die nach geltenden Kapitalmarktregeln zugänglichen Informationen über Anteilseignerschaften.

23Ein Großteil der hier genannten Konzerne hält jeweils Beteiligungen an- und untereinander, was aber im Rahmen dieser Untersuchung nicht weiter ausgegliedert werden kann.

25Siehe http://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1374170/000137417013000015/0001374170-13-000015.txt

28Pimcos Anlagebeteiligungen sind auf eine Vielzahl von Unterfonds aufgeteilt, deren Sichtung bei den SEC-Files bei dieser Studie nicht einzeln vorgenommen wurde.

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